Unsere Forschungs- und Transferprojekte zielen darauf ab, Modelle der Medienselbstkontrolle in Österreich mit Vergleichsdaten und kommunikationswissenschaftlichen Analysen zu unterstützen.
Neue Publikation zu Medienselbstkontrolle in Europa
Als ein erstes zentrales Ergebnis des europäischen Forschungsprojektes zu innovativen Formen von Medienverantwortung und Medientransparenz MediaAcT wurde Mitte 2011 ein Sammelband mit dem Titel: Mapping Media Accountability - in Europe and Beyond vorgestellt.Neben State-of-the-Art-Reports zu den 14 teilnehmenden Ländern finden sich in dem Band auch eine theoretische Einführung und eine erste länderübergreifende Analyse von Trends im Bereich der Medienselbstkontrolle. Das österreichische Kapitel Austria: A Border-Crosser (verfasst von Matthias Karmasin, Daniela Kraus, Andy Kaltenbrunner und Klaus Bichler) beschäftigt sich mit der Analyse der bestehenden Instrumente der Medienselbstkontrolle in Österreich.
Ein Inhaltsverzeichnis sowie das erste Kapitel als gratis Download finden Sie unter http://www.mediaact.eu/81.html
Eberwein, Tobias; Fengler, Susanne; Lauk, Epp; Leppik-Bork, Tanja (Hg.) (2011): Mapping Media Accountability - in Europe and Beyond. Köln. Halem.
Selbstregulierung und neue Herausforderung im Journalismus
Mit dieser komparativen Studie, durchgeführt anhand von Österreich, Deutschland, Dänemark, Estland, Spanien, Frankreich und Polen, wurden die verschiedenen Systeme der Medienselbstregulierung analysiert. Anhand verschiedener Fälle und Situationen wurden Ethikkodizes und Medienräte/Presseräte, aber auch Selbstkontrolleinrichtungen auf den Ebenen der Medienorganisation, der Journalisten und des Publikums untersucht. Die Resultate zeigen Defizite, aber auch Fortschritte in der Implementierung von Selbstkontrollmechanismen in Europa auf. García-Avilés; José-Alberto; González-Esteban, José-Luis; Kaltenbrunner, Andy; Karmasin, Matthias: Self-regulation and the new challenges in journalism: Comparative study across European countries. Revista Latina de communication social. Nr. 66. 2011. (English)
García-Avilés; José-Alberto; González-Esteban, José-Luis; Kaltenbrunner, Andy; Karmasin, Matthias (2011): La autorregulación profesional ante los nuevos retos periodísticos: estudio comparativo europeo. In: Revista Latina de communication social. Nr. 66. 2011. (Español)
Medienhaus Wien Partner in EU-Projekt
Im Februar 2010 startete das EU-Projekt Media Accountability and Transparency in Europe (MediaAcT). Für dreieinhalb Jahre wird sich ein Konsortium von ForscherInnen aus 11 Ländern unter der Leitung von Susanne Fengler/TU Dortmund mit den Fragen nach Medienverantwortung und Medientransparenz beschäftigen. Das Team von Medienhaus Wien unter der wissenschaftlichen Leitung von Matthias Karmasin ist österreichischer Partner und wird unter anderem für den Transfer in Politik und Medienpraxis zuständig sein.Die Europäische Union fördert das Projekt mit rund 1,5 Millionen Euro im 7. Forschungsrahmenprogramm. MediaAcT ist im 7. Rahmenprogramm das einzige medienbezogene Projekt mit österreichischer Beteiligung. Von Finnland im Norden bis Tunesien im Süden werden die Forscherteams die Entwicklung und den Einfluss verschiedener Formen der Medienverantwortung analysieren und vergleichen. In einer breit angelegten Feldstudie soll erforscht werden, welche etablierten und welche innovativen Formen der Medienselbstregulierung in den unterschiedlichen Ländern vertreten sind. Abgeleitet werden daraus Empfehlungen für die Praxis ebenso wie Policy Briefings für die europäische Kommission und für die Entscheidungsträger in den Teilnehmerstaaten.
Weitere Informationen und alle Partner finden Sie hier oder unter http://www.mediaact.eu
Selbstregulierung & Presserat in Österreich
Wie kann Medien(selbst)regulierung in Österreich funktionieren? Wie sind Presseräte und Instrumente zur Qualitätssicherung in anderen Ländern organisiert? Das Team von Medienhaus Wien hat diesen Themenkomplex zu einem Forschungsschwerpunkt gemacht. Im daraus hervorgegangenen Buch "Medienselbstregulierung zwischen Ökonomie und Ethik" werden aus der Analyse der historischen Entwicklung in Österreich, der Darstellung der wissenschaftlichen Debatte und dem Vergleich internationaler Modelle einige Erfolgsfaktoren abgeleitet: Selbstregulierung braucht Bestand und Kontinuität, ihre Rechtsform, ihre Ziele, ihre Verfahren und Verantwortlichkeiten müssen klar definiert sein. Selbstregulierung kostet Geld (Geschäftsstelle, Media Monitoring, Leseranwaltschaft etc.) und benötigt entsprechende Finanzierung.
Die Selbstkontrolle ist inhaltlich auf alle Arten medialer Darstellungsformen auszuweiten. Neben Problemen, die in gedruckten Ausgaben entstehen, sollen also auch elektronische und digitale Darstellungsformen Teil der medialen Selbstregulierung sein. Besonders an der Grenze von Public Relations und redaktionellen Inhalten bzw. bei Sonderwerbeformen entstehen immer wieder Probleme, die der ethischen, professionellen und sanktionsbewehrten Selbstkontrolle bedürfen. Sie also a priori aus einer solchen Selbstkontrolle auszuschließen, erscheint problematisch.
Die Belebung einer Medienselbstkontrolle in Österreich soll nicht nur die Funktion eines Ehrenkodexes (eines code of conduct) zum Beispiel für in Medienberufen tätige JournalistInnen, sondern auch regulierende Funktion für Medienmanager haben. Da ethische Probleme und Herausforderungen nicht nur auf Ebene der journalistischen und redaktionellen Qualitätssicherung entstehen, sondern auch in Konfrontation und im Konflikt mit ökonomischen Bedingungen des Medienunternehmens, sind eben diese professionellen Voraussetzungen des Medienmanagements auch in Form von medialer Selbstkontrolle zu diskutieren.
Grundlage der regulierten Selbstregulierung sind einerseits gesetzliche Vorschriften, die eine Medienselbstkontrolle mit Sanktionsgewalt versehen, und zweitens ein Codex, der, ausgehend vom bestehenden Ehrenkodex der österreichischen Presse, auch andere mediale Darstellungsformen umfasst (Adaptierung des Ehren-Kodex um Bereiche wie Bildethik (Manipulation) digitale Ethik, Sonderwerbeformen, Mischformen wie Edutainment, Infomercial etc.). Daneben sollen die Medienunternehmen, etwa nach dem Modell der Sentencing Guidelines, dazu motiviert werden, Standards der Selbstkontrolle zu institutionalisieren und selbst zu implementieren.
Die Wirkung der Selbstkontrolle ist in der Möglichkeit von Sanktionen (Geldstrafen, Veröffentlichungspflicht, Nachschulungspflicht) und in der Qualitätsdiskussion über redaktionelle professionelle und ethische Standards (Stiftung Medientest, Zertifizierung, Prämierung, Anreizsysteme) zu sehen. Diese Standards sind vor allem in Medienunternehmen festzulegen und durchzusetzen (Watch Dogs, Korrekturspalten, Hot-lines, Standards, Präzisierung des Kodex) und sollen auch ökonomisch motiviert und belohnt werden.
Franzisca Gottwald, Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin (2006): Medienselbstregulierung zwischen Ökonomie und Ethik. Erfolgsfaktoren für ein österreichisches Modell. Reihe: Studien zur Medienpraxis. Schriftenreihe des Medienhaus Wien, Bd. 1, 176 S., 14.90 EUR, br., ISBN 3-8258-9981-0
http://www.lit-verlag.de/isbn/3-8258-9981-0